enough is enough!

Wider den Anklamer Zuständen!

Anklam, das „Tor zur Sonneninsel Usedom“. Eine Kleinstadt in Ostvorpommern, die ihre besten Zeiten bereits hinter sich hat. Von den einst 20.000 Einwohner_innen sind 7.000 inzwischen weggezogen. Der Status als Kreisstadt geht ebenfalls in Bälde Flöten. Dieser Trend ist repräsentativ für viele Orte in der Region und eigentlich gäbe es keinen Grund sich weiter mit der Sache zu beschäftigen, wären da nicht die Nazis.
Die äußerst vitale Neonaziszene der Stadt ist das prägende Merkmal, für das Anklam zu Recht bundesweite Bekanntheit genießt. An ihr lässt sich nicht nur der derzeitige Zustand der Neonazi-Bewegung, sondern auch noch sämtliche Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre exemplarisch ablesen – und das stellvertretend für den gesamten Landkreis.
Ein Landgasthof in Klein Bünzow, einem winzigen Vorort Anklams, manifestierte sich in den 90er Jahren zu einem überregionalen Treffpunkt der damaligen rechtsradikalen Skinheadszene und bot vielen Jugendlichen, genau die Wochenendabwechslung, nach der junge Nazis zu der Zeit verlangten. Rechtsrockkonzerte, Liederabende und Kameradschaftstreffen – regelmäßig wiederkehrende Kulminationspunkte einer rechten Lebenswelt, die auf einem Männlichkeitskult, auf Ausgrenzung und die Diskriminierung anderer aufbaut.
Diese frühen Jahre der Szene in Anklam und Umgebung schufen die Basis für die beispiellose Verankerung der Naziszene im Alltagsleben, für die Anklam auch heute noch berüchtigt ist. In Anklam existiert mit dem New Dawn nicht zufällig der dienstälteste Naziladen des gesamten Bundeslandes. Hier herrscht eine obskure Mischung aus blinder gesellschaftlicher Akzeptanz und leichtfertiger bürgerlicher Toleranz, die es über etliche Jahre hinweg ermöglichte so einen Laden zu betreiben und die braunen Propaganda-Produkte nicht nur an die jungen Glatzen von damals, sondern auch an die erwachsen gewordenen überzeugten Neonazis von heute zu verkaufen. Ein idealer Nährboden für die braunen Jungs & Mädels, in denen es ihnen leicht fällt sich zu organisieren, ob im Kameradschaftsbund Anklam (KBA) oder in der NPD – wer sich hier in rechtsradikalen Gruppen wie diesen engagiert, braucht keine Kritik zu fürchten wie andernorts.
So ist es auch nicht verwunderlich das Anklam zu den Trendsettern in der Szene zählt. Während das Gros der Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern erst zur vergangenen Kommunalwahl im letzten Jahr den Rechtsruck vollzog und ihre NPD-Funktionäre in die Gemeinde- und Stadtvertretungen wählte, so geschah dies in Anklam alles bereits eine Legislaturperiode früher. 2004, als auf Landesebene noch kaum jemand das gruselige Szenario einer möglichen NPD-Fraktion im Landtag für realistisch hielt, liess sich heute Landtagsabgeordnete Michael Andrejewski bereits in die Anklamer Stadtvertretung und den Kreistag von Ostvorpommern wählen. Der Wahlerfolg von damals war bereits der erste Ertrag einer kontinuierlichen Aufbauarbeit, die hier seit 20 Jahren betrieben wird und die solch kleine Gemeinden wie Anklam erst attraktiv für bundesweit agierende Neonazi-Kader wie Andrejewski machen.
Für den 31. Juli planten die Nazi-Aktivist_innen wiederum ein Stück braune Idylle zu inszenieren. Die NPD wollte mit einem Kinderfest, wie es in Stralsund oder Doberan schon häufiger stattfand, die Erlebniswelt für die Familien ihrer Aktivist_innen, aber auch für die ihrer Sympathisant_innen und etwaigen Unentschlossenen, um ein Stück erweitern. Doch erfreulicher Weise trat hier eine Irritation ein, mit der die Nazis von Anklam schon lange nicht mehr gerechnet hätten. Ihr Event wurde verboten.
Nun steht der Stadt das bevor, was andere Städte mit erniedrigender Regelmäßigkeit über sich ergehen lassen müssen. Ein Naziaufmarsch. Angekündigt als unverhohlene Drohung, wenn schon nicht ihr „Kinderfest“ stattfinden dürfe, dann solle der Rest der Stadt schon sehen, wie sie mit dem braunen Spuk fertig werden. Für uns ist das ein willkommener Anlass Anklam wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Wir wollen darauf aufmerksam machen. Diese Stadt hat kein Problem mit Nazis – aber wir. Wir wollen zeigen, das schweigende Provinzen wie Ostvorpommern nicht nur zu einem bewährten Rückzugsraum für Neonazis geworden sind, sondern auch sämtlichen Vorstellungen eines gut eingerichteten Gemeinwesens widersprechen! Die Verhältnisse in Anklam sind beschämend und der Trend, die schlechten Schlagzeilen in der Presse und die bundesweite Aufmerksamkeit für Anklams Naziproblem einfach auszusitzen, darf nicht unwidersprochen bleiben.
Demonstriert mit uns am 31. Juli in Anklam und zeigt den Nazis, das sie auch hier in der finstersten Provinz keine sichere Homezone haben!
Enough is Enough – Wider den Anklamer Zuständen!

Anklam Demo