Archiv für Mai 2011

Von trauernden Nasen und brennenden Kränzen…

Auch in diesem Jahr wurde Demmin für einen Tag zur Trauerstätte und Anlaufpunkt für die regionale Neonaziszene. Am 8. Mai wurde in der Hansestadt, wie bereits in den letzten zwei Jahren, von „Nationalen Sozialisten“, wie sie sich selbst bezeichnen, ein Gedenkmarsch durchgeführt. Ungefähr 200 trauernde Nasen, letztes mal waren es circa 250, zogen am Abend durch die Straßen Demmins.
demminJedoch konnten sie dies nicht so ungestört tun, wie im vergangenen Jahr.
Bereits am Abend des 7. Mai wurde von einem Aktionsbündnis ein Konzert unter dem Motto „Demmin ist BUNT“ organisiert. Verschiedene Bands, welche unter anderem aus der Schweiz und Israel angereist waren, feierten schon am Vorabend den Tag der Befreiung. Am nächsten Nachmittag fand ein Friedensfest am Demminer Hafen statt. Mehr als 300 Menschen feierten dort die Befreiung und wollten ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen. Selbst der Bürgermeister, der in den vergangenen Jahren zu „stillem Widerstand“ aufrief, unterstützte nun diese Veranstaltung.
Im Vorfeld des Gedenkmarsches kam es zu einer Blockade in der Clara-Zetkin-Straße. Circa 20 Menschen blockierten hier für kurze Zeit die Straße. Auf Grund des starken Polizeiaufgebots hielt dies jedoch nicht lange an und wurde geräumt. Als die Nasen an der Peene ankamen, um dort eine Kundgebung abzuhalten, wurden sie von lauten Rufen, wie „Eene, Meene, Nazis in die Peene!“, und Transparenten der Befreiungsfestteilnehmer begrüßt. Auch der Lärm des Polizeihubschraubers störte die Neonazis bei ihrem stillen Gedenken. demmin
Zum Abschluss wurde von den Trauernden ein Gedenkkranz in die Peene geworfen. Dieser wurde jedoch von antifaschistischen Kampfschwimmern herausgefischt und anschließend verbrannt. Außerdem wurde auf einer Straße, die von den Nazis überquert wurde, Mist und Gülle verteilt.

Obwohl es nicht oder nur ansatzweise gelang den Trauermarsch zu stören oder gar zu verhindern, sind die Veranstaltungen trotzdem als Erfolg zu verzeichnen. Im Vergleich zu den letzten Märschen durch Demmin nahmen an den diesjährigen Gegenaktionen bedeutend mehr Menschen teil und beteiligten sich aktiv.

Einen weiteren Bericht und mehr Bilder gibt’s bei Indymedia!

8.Mai-СПОСИБО/Naziaufmarsch verhindern!


Am 8. Mai wollen Nazis zum vierten Mal in Folge im mecklenburg-vorpommerischen Demmin aufmarschieren. NPD und „Freie Kräfte“ rufen unter dem Motte „8. Mai 45 – Kein Grund zum Feiern. Vergessen wir Tod, Leid und Besatzung nicht“ zu einem Trauermarsch zum „Gedenken der deutschen Opfer“ auf. Als Redner sind Udo Pastörs, Tino Müller und Michael Gielnik angekündigt.
Dieser Trauermarsch gewinnt zunehmend Bedeutung in der Region. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Teilnehmenden Neonazis von 40 auf 250 mehr als verfünffacht. Dies ist auch Ausdruck dafür, dass die Nazis versuchen, in der Region immer mehr Fuß zu fassen. Unterstützt werden diese Bestrebungen von bundesweit angereisteten Nazi-Kadern, die 2010 an der Demo teilnahmen.
Als Reaktion darauf hat sich ein breites Bündnis gegründet, das sich den Versuchen der Nazis, die Deutungshoheit über den 8. Mai zu erlangen, entgegenstellt und zu Gegenaktivitäten aufruft.
Bereits am Samstag Abend den 7. Mai gibt es in der Demminer Waldbühne ein antifaschistisches Konzert mit mehreren Bands. Am 8. Mai ab 17:00 Uhr beginnt das Fest zur Befreiung vom Nationalsozialismus des „Aktionsbündnis 8. Mai“ am Demminer Hafen, direkt in Rufweite der zentralen Nazikundgebung.
Die Nazis wollen sich am 8. Mai ab 18:00 Uhr am Parkplatz des Demminer Sportstadions treffen. Ab 19:30 Uhr oder später soll ihre Demo Richtung Innenstadt los marschieren (am liebsten würden sie die Strecke komplett im Dunkeln mit Fackeln laufen, ist aber so wohl nicht genehmigt).

Wir rufen alle, die sich aktiv an der Blockade des Naziaufmarschs beteiligen wollen, auf, sich um ca. 14:00 Uhr in Demmin zu versammeln. Treffpunkt wird hier ein paar Tage vorher bekanntgegeben.

Warum Demmin?
Als die Rote Armee vor den Toren Demmins stand, waren die Nazi-Kader längst verschwunden. Aber nicht ohne die Brücke nach Demmin zu sprengen und zu fordern, die Stadt bis auf den letzten Mann zu verteidigen.
Dass diese Forderung von Demminer_innen durchaus ernst genommen wurde zeigt die Geschichte: Als Zeichen für die Kapitualtion der Stadt wehte die weiße Fahne am Kirchturm. Trotzdem wurden die russischen Parlamentäre, die zur Verhandlung über die Übergabe in die Stadt kamen, erschossen, obwohl von der Roten Armee im Vorfeld zugesagt wurde, Demmin nicht zu plündern und die Zivilbevölkerung nicht zu belästigen. Später lud die Apothekerin der Stadt die Führung des sowjetischen Truppenteils der Roten Armee zu einer Siegesfeier und vergiftete diese und sich selbst. Als Reaktion auf diese und weitere Vorfälle entschloss sich die Rote Armee für ein hartes Vorgehen gegen die Stadt. Auch aus Angst davor kam es zu einer Selbstmordwelle unter den Demminer_innen.
Den Massenselbstmord der Demminer_innen nehmen heute die Neonazis zum Anlass für ihre alljährlichen Trauermärsche. Über die Konstruktion eines Mythos von den in den Tod getriebenen Demminer_innen wird versucht die Deutungshoheit über den 8. Mai als Tag der Befreiung zu erringen und ihn zum Tag für das „Gedenken an die deutschen Opfer“ umzudeuten. Die Frage nach der Schuld wird einseitig beantwortet und Teile der Geschichte ausgeblendet.

GESCHICHTE AUFARBEITEN STATT VERKLÄREN!
KEINEN FUSSBREIT DEN FASCHISTEN!